Sea Chest Anti-Fouling Systeme: Schutz vor Bewuchs und Korrosion in Seewassersystemen

Bewuchs und Korrosion betreffen auf Yachten nicht nur den sichtbaren Rumpf, sondern vor allem auch die internen Seewassersysteme. Genau dort entstehen in der Praxis oft Probleme, die lange unbemerkt bleiben: Muscheln, Seepocken und andere Organismen setzen sich in Sea Chests, Filtern, Leitungen, Ventilen, Pumpen und Wärmetauschern fest. Das kann die Kühlleistung verschlechtern, den Wartungsaufwand erhöhen und im ungünstigen Fall die Betriebssicherheit beeinträchtigen. Marine Growth Prevention Systems, kurz MGPS, sind genau für diesen Bereich entwickelt worden und schützen vor allem die wasserführenden internen Systeme, nicht einfach pauschal den gesamten Schiffsrumpf.

Technisch arbeiten solche Systeme meist elektrolytisch. Je nach Ausführung werden im Bereich von Sea Chest oder Seewasserzulauf spezielle Anoden eingesetzt, die geringe Mengen wirksamer Ionen in das einströmende Meerwasser abgeben. Diese hemmen das Wachstum mariner Organismen in den Leitungen und nachgeschalteten Komponenten. Hersteller technischer MGPS-Systeme beschreiben das Prinzip entweder über Kupfer- und Aluminiumelektroden oder über elektrolytisch erzeugte Wirkstoffe wie Natriumhypochlorit für Seewasserkreisläufe.

Wichtig ist dabei die saubere Unterscheidung zwischen Anti-Fouling und Korrosionsschutz. Ein MGPS dient in erster Linie dazu, biologischen Bewuchs in Sea Chests und Seewasserleitungen zu verhindern. Korrosionsschutz an Rumpf und Metallstrukturen wird dagegen typischerweise über separate kathodische Schutzsysteme oder Beschichtungen gelöst. In manchen Systemen entsteht zusätzlich ein korrosionshemmender Effekt in internen Seewasserleitungen, aber fachlich sollte man diese Funktionen nicht unpräzise vermischen. Genau diese Trennung wird auch in der maritimen Fachpraxis zwischen MGPS und klassischen Korrosionsschutzsystemen gemacht.

Für Explorer Yachten ist ein solches System besonders interessant, weil sie oft lange unterwegs sind, in unterschiedlichen Wasserqualitäten operieren und auf zuverlässige Kühlung sowie robuste Bordtechnik angewiesen sind. Wenn Seewasserfilter, Wärmetauscher oder Kühlkreisläufe durch Bewuchs belastet werden, steigen nicht nur Wartungsaufwand und Energiebedarf, sondern auch das Risiko von Ausfällen in abgelegenen Revieren. Genau deshalb ist ein gutes Sea-Chest-Anti-Fouling-System weniger ein Komfortdetail als ein Baustein für Betriebssicherheit und technische Konstanz.

Entscheidend ist aber nicht allein, ob ein System vorhanden ist, sondern wie es ausgelegt, überwacht und gewartet wird. Wie bei vielen technischen Lösungen an Bord gilt auch hier: Nur ein sinnvoll integriertes und korrekt betriebenes System bringt im Alltag echten Nutzen. Bei der Bewertung einer Yacht sollte man deshalb nicht nur auf Prospektbegriffe schauen, sondern prüfen, ob die Seewassersysteme insgesamt durchdacht geplant wurden.

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